Veränderungen im großen Stil, auch für unsere Gemeinde

Der Tod von Pater Niklaus an Pfingsten hat auf drastische Weise deutlich gemacht, dass die fetten Jahre in unserer kirchlichen Raumschaft entlang des Sees wohl vorbei sind. Das üppige Gottesdienstangebot kann ohne ihn so nicht mehr aufrechterhalten werden, zudem ich damit als einziger Priester vor Ort bin. Unterstützung erfahre ich weiterhin durch unsere Ruheständler und durch Diakon Rebmann in der Sakramentenspendung, der neben seinem Auftrag im Stadtdiakonat vor allem bei Bestattungen, Taufen und auch bei Trauungen mithilft. Auch die anderen pastoralen Dienste wirken mit, können aber nun mal keine Eucharistiefeier leiten. Es geht in dieser Frage vor allem um Verlässlichkeit, nicht um kurze und einmalige Engagements; seien diese auch noch so gut gemeint. Ich denke darüber hinaus, dass das Raumprogramm der Diözese, welches eine Reduzierung der pastoralen Räume um 30 % vorsieht, sowie die künftigen Entwicklungen bei den aktiven Gläubigen und den beitragszahlenden Kirchenmitgliedern neben dem Fachkräftemangel deutliche Veränderungen nach sich ziehen müssen. Ich hatte es in der Pfingstpredigt unserer Seelsorgeeinheit bereits gesagt: Wir haben in diesem Sommer die Blüte unseres kirchlichen Lebens bereits überschritten. Breiter und bunter und umfassender werden wir in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr aufgestellt sein. Für uns als katholische Christen kann dies nur bedeuten, dass wir uns konzentrieren müssen, vor allem auf das Wesentliche. Jede unserer vier Gemeinden wird auch künftig am Sonntag (inkl. Sonntagvorabend) in der Regel (einmal) die Eucharistie mit ihrem Pfarrer feiern können. Das hat auch im katholischen Oberland bereits Seltenheitswert. Die Uhrzeiten bleiben wie gehabt. Die Eucharistiefeier am ersten Sonntag im Monat in St. Columban wird durch eine Wortgottesfeier mit Kommunionausteilung ersetzt werden; das Sonntagscafé kann sich wie bisher anschließen. Der sonntägliche Gottesdienst um acht Uhr in St. Nikolaus entfällt ganz. Auch zu den großen Feiertagen werden künftig Einschränkungen nicht ausbleiben. Jede unserer vier Gemeinden wird an Weihnachten und Ostern auf jeweils eine Eucharistiefeier am Tag oder in der Nacht zuvor verzichten müssen. Wochentags haben künftig St. Columban und St. Nikolaus, wie bisher donnerstags einmal eine Eucharistiefeier. In St. P.  Canisius kommt neben dem Freitagabend („Kleine kirche!“) am Dienstag pensionärsgestützt eine zweite zum Markttag dazu.

 

Aber auch an anderen Stellen bemerken wir eine Veränderung. So wird nach den Sommerferien der katholisch geführte Kindergarten in der Kitzenwiese aufgegeben werden. Durch den Sparhaushalt der Zeppelin-Stiftung gerät auch der Haushalt der Gesamtkirchengemeinde erheblich unter Druck. Prioritär wird künftig neben dem geistlichen und pastoralen Leben der einzelnen Gemeinden auch die Armenfürsorge im Stadtdiakonat und in der Herberge bleiben. Unsere Kirche wird auch künftig ein starker Partner der öffentlichen Hand in Sachen Kindergärten bleiben. Unser finanzieller Beitrag wird diesbezüglich aber deutlich schrumpfen. Bisher waren wir neben der evangelischen Kirche der einzige der freien Träger, der noch eigenes Geld mitgebracht hat. Allein in den letzten zehn Jahren waren das über vier Millionen Euro in Sachen Daseinsfürsorge als primär öffentlicher Aufgabe. In Zukunft werden wir noch besser mit den anderen Gemeinden, einschließlich der evangelischen auf dem Stadtgebiet kooperieren müssen. Wir werden uns neue Wege erschließen und dabei aber auch auf das bisher Bewährte zurückgreifen. Diese abstrakten Begriffe werden schon bald sehr konkret werden. Trotzdem ist von Not noch keine Rede. Unser Ministerpräsident hat es einmal gesagt: „Wenn wir keinen Pullover mehr hätten, das wäre Not. So aber haben wir statt vier nur noch zwei und müssen uns in unserer Auswahl beschränken.“ Dennoch werden die Veränderungen in den nächsten Jahren ganz erheblich sein, aber vielleicht spricht das auch einen neuen Geist in uns an und neue Menschen, die sich gerade dann einbringen, wenn der Schuh drückt.

Dekan Bernd Herbinger, Pfarrer, gerne zum Gespräch bereit